Unter einer „echten Gynäkomastie“ (Gynaecomastia vera) versteht man das Vorhandensein von Brustdrüsengewebe beim Mann. Neben dem Größenwachstum von Brustdrüsengewebe kann aber auch lediglich vermehrtes Fett vorliegen. Wenn das der Fall ist, spricht von einer „falschen Gynäkomastie“ (Pseudogynäkomastie, Lipomastie). Zumeist liegt aber eine Mischform vor, es besteht also Brustdrüsengewebe und vermehrtes Fett.
Es gibt mehrere Ursachen, die zur Entstehung einer Gynäkomastie führen können: physiologische Ursachen, Gynäkomastie nach massiver Gewichtsabnahme, krankheitsbedingte Ursachen, Gynäkomastie durch Einnahme von Medikamenten & Drogen und unbekannte Ursachen. Sowohl bei der Gynaecomastia vera als auch bei der Pseudogynäkomastie findet sich bei 80 % der Betroffenen leider keine medizinische Erklärung.
Bei 50% aller Männer sind hinter dem Warzenhof Brustgewebenester nachweisbar. 1-2% der Betroffenen haben sichtbar vergrößerte Brüste.
Häufig unterstützen Bodybuilder den Muskelaufbau durch die Einnahme von Anabolika. Dabei handelt es sich um hormonähnliche Substanzen, die dem Testosteron oder dessen Vorstufen ähnlich sind. Der Entstehungsmechanismus einer Gynäkomastie durch Anabolika bei Bodybuildern ist relativ einfach: Der Körper versucht den erhöhten Testosteronspiegel auszugleichen und erhöht daher die Produktion von Östrogenen, die das Wachstum des Brustdrüsengewebes anregen.
Bei geringer Ausprägung und jungem Alter findet man zumeist mit der Entfernung des Brustdrüsengewebes das Auslangen. Liegt auch ein Hautüberschuss vor, muss neben der Gewebeentfernung auch eine Straffung der Brust durchgeführt werden. Ist zudem auch noch vermehrt Fett vorhanden, muss es ebenfalls entfernt werden. Bei fast allen Patienten ist eine begleitende Fettabsaugung in den Nachbarregionen zur Konturenverbesserung im Sinne eines ästhetisch ansprechenden Ergebnisses erforderlich.
Gelingt es, bei der Operation das Brustdrüsengewebe vollständig zu entfernen, ist ein neuerliches Wachstum auszuschließen. Anders verhält es sich mit dem Fett: da nicht alle Fettzellen werden können, ist eine neuerliche Vergrößerung insbesondere bei Gewichtszunahme von mehr als 5kg leider möglich.
Die Entfernung des Brustdrüsengewebes bei der echten Gynäkomastie wird in Österreich von den Sozialversicherungsträgern übernommen, weil Männer mit Brustdrüsengewebe, wenn auch mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit als Frauen, an Brustkrebs erkranken können. Die ggf. notwendige begleitende Fettabsaugung wird bedauerlicherweise nur sehr selten gedeckt.
Gesundheitliche Komplikationen umfassen vorrangig Infektionen und Nachblutungen, ist bei sorgfältiger Durchführung äußerst selten. Das Ergebnis betreffende Risiken umfassen Asymmetrien, Stufen- und Faltenbildungen sowie unschöne Narben. Ästhetische Komplikationen können fast immer vollständig korrigiert werden.
Bei gering ausgeprägten Fällen liegt die Narbe halbkreisförmig im unteren Bereich des Warzenhofes an der Grenze zur umgebenden Haut, bei stärker ausgeprägten Fällen verläuft die Narbe rund um den Warzenhof. Nur bei gravierendem Hautüberschuss muss die Schnittführung seitlich erweitert werden, die Narbe reicht dann auch einige Zentimeter über das Warzenhofareal hinaus.
Dies hängt in hohem Maße vom Umfang der Operation ab (ist auch eine Straffung angezeigt, ist eine ergänzende Fettabsaugung notwendig). Im Allgemeinen ist man nach 7-10 Tagen wieder normal belastbar.
Wenn auch eine begleitende Fettabsaugung durchgeführt wurde, ist das Tragen von Kompressionswäsche für die Dauer von 4-6 Wochen empfehlenswert. Durch die Kompressionswäsche entstehen weniger Hämatome, das Gewebe wird gestützt und die Haut passt sich den neuen, reduzierten Volumenverhältnissen besser an.
Bleiben Gewichtsschwankungen von mehr als 5kg aus, sind die Langzeitergebnisse im Allgemeinen ausgezeichnet.