Im Gegensatz zur Organtransplantation wird bei der Eigenfetttransplantation Fett von einer Körperstelle entnommen (z.B. Bauch, Oberschenkel etc.) und in eine andere Körperstelle (z.B. Lippen, Augenringe etc.) eingebracht. Es handelt sich daher um die Transplantation von körpereigenem Gewebe, während bei einer Organtransplantation fremdes Gewebe in den Körper eingebracht wird.
Die Eigenfetttransplantation wird vorrangig für ästhetische Korrekturen im Gesicht eingesetzt. Dazu gehören Lippenvergrößerung, Beseitigung der Nasolabialfalten, Auffüllen von Augenringen oder generell die Verjüngung des Gesichts. Seit der Entdeckung von Stammzellen im Fettgewebe (ADSC) wird die Eigenfetttransplantation seit einigen Jahren aber auch zur Verbesserung geschädigter Haut, zur Korrektur von größeren Gewebedefekten und zur Verschönerung von Narben eingesetzt.
Stammzellen des Fettgewebes (ADSC) besitzen die wertvolle Eigenschaft, sich in Abhängigkeit ihrer Umgebung in verschiedene Zelltypen weiterentwickeln zu können (Nischentheorie). Dazu gehören u.a. Hautgewebe, Bindegewebe, Blutzellen, Gefäße und Fettzellen. Gerade diese Eigenschaft ermöglicht es, das Erscheinungsbild von bestrahlter Haut, Verbrennungsnarben bzw. Narben im Allgemeinen wesentlich zu verbessern.
Zweck der Eigenfetttransplantation ist es, das transplantierte Fett in der Empfängerregion zur Einheilung zu bringen. D.h. die Fettzellen werden durch einwachsende Blutgefäße mit Blut versorgt und leben weiter. Die Einheilrate liegt zw. 30-80%, deswegen sind u.U. mehrere Sitzungen notwendig, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Fett, das eingeheilt ist, wird nicht mehr abgebaut, und das Ergebnis ist daher von Dauer.
Zwischen den Sitzungen sollten zumindest zwei Monate liegen.
Die Brustvergrößerung mit Eigenfett befindet sich derzeit noch im Anfangsstadium, technisch gesehen ist der Weg aber geebnet. Mit der Anreicherung des zu transplantierenden Fetts mit ADSC (Stammzellen des Fettgewebes), dem Aufdehnen der Brust mit einer Art Saugglocke und mit mehrschichtigem Einbringen des Fetts können bereits erstaunliche Ergebnisse erzielt werden. Der Brustvergrößerung mit Eigenfett sind jedoch noch Grenzen gesetzt. Die derzeitige Obergrenze der Brustvergrößerung mit Eigenfett liegt bei etwa 150 – 250 ml / Brust. Das setzt aber auch voraus, dass zwischen 500 – 1000 ml reines Fett entnommen werden können, eine Menge, die nicht bei jeder Frau zur Verfügung steht.
Nein. Charakteristisch für den Alterungsprozess im Gesicht ist u.a. der Verlust von Unterhautfett und der damit verbundene Volumensverlust. Mit der Eigenfetttransplantation wird wieder Volumen in das Gesicht eingebracht. Das Facelifting korrigiert Hautüberschuss und hebt abgesunkene Areale an. Daher ist die Eigenfetttransplantation als ideale Ergänzung des Faceliftings anzusehen, beide Eingriffe werden oft gemeinsam durchgeführt.
Aus meiner Sicht ist dem Eigenfett eindeutig der Vorzug zu geben. Der operative Aufwand ist zwar etwas größer, auf lange Sicht ist die Eigenfetttransplantation jedoch kostengünstiger. Filler wie z.B. Hyaluronsäure werden vom Körper innerhalb von 4 bis 6 Monaten abgebaut, es muss daher regelmäßig nachgespritzt werden. Bei der Eigenfetttransplantation heilen 30-80% des transferierten Fettes ein, und der erzielte Volumengewinn ist von Dauer. Zudem kann es zu keinen wie auch immer gearteten Unverträglichkeiten kommen, weil es sich um körpereigenes Gewebe handelt.
Der Transfer geringer Fettmengen (bis 100ml) kann fast immer ambulant und in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Bei größeren Fettmengen bzw. wenn in viele Empfängerregionen transplantiert werden soll, ist ein Dämmerschlaf von Vorteil. Eine durchschnittliche Eigenfetttransplantation (Augenringe, Nasolabialfalten oder Lippen) dauert 20-25min. und man benötigt etwa 10ml Eigenfett.
Komplikationen im Empfängerbett treten bei der Eigenfetttransplantation äußerst selten auf. Medizinische Komplikationen betreffen v.a. lokale Infektionen, die leicht beherrschbar sind. Bei unsachgemäßer Handhabung können Ölzysten und Verkalkungen entstehen. Das Ergebnis betreffende Komplikationen betreffen Asymmetrien, Knötchen, Wülste, Unebenheiten und Verlagerungen. Ästhetische Komplikationen können fast immer vollständig korrigiert werden. Komplikationen bei der Fettentnahme sind bei geringen Absaugmengen zu vernachlässigen.
Die zur Einbringung des Fettes notwendigen Hautschnitte sind 1-2mm lang und verheilen im Allgemeinen spurlos, das Setzen einer Naht ist nicht notwendig. Auch die Narben in der Spenderregion sind kaum größer und sind daher ebenfalls kaum erkennbar.
Je nach Empfängerregion treten für einige Tage unterschiedlich starke Schwellungen auf, die spätestens nach einer Woche abgeklungen sind. Bei kleineren Korrekturen sind innerhalb von 1-2 Tagen keine Auffälligkeiten mehr zu erkennen.
Die Langzeitergebnisse sind im Allgemeinen ausgezeichnet. Ergänzende Eingriffe können jederzeit und beliebig oft durchgeführt werden.